Wechseljahre

Ich bin in den Wechseljahren. Es fing ganz diskret an, kaum fiel es mir auf, und es störte mich nicht. Inzwischen aber beherrscht mich das Thema. Und zwar immer, wenn ich Auto fahre.
Seit geraumer Zeit wechsle ich die Radiosender. Zuerst unbewusst, dann leise seufzend, jetzt genervt schon auf kurzer Strecke.
Nirgendwo bin ich mehr richtig zu Hause. Vorbei sind die Zeiten, wo ich „meinem“ Sender die Treue hielt und den Moment auf der Autobahn herbeisehnte, endlich wieder in seinen Empfangsbereich zu kommen.
Ich bin ein Morgenmuffel und will nicht von irrwitzig gutgelaunten Moderatoren belästigt werden – also schalte ich um. Für die Musikauswahl des nächsten Senders werde ich aber wohl langsam zu alt – also schalte ich um. Die Musikauswahl des dritten Senders finde ich zwar immer angenehmer, dafür aber fühle ich mich für die Wortbeiträge eindeutig zu jung. Also schalte ich wieder um.
Ich schalte von Bayern 2 zu Bayern 3 zu Bayern 1. Von Antenne zu Bayern 5 zu Deutschlandradio. Und wieder zurück und über Kreuz. Eine Orientierungslose in den Ätherwellen. Eine aus der Zielgruppe Gefallene.
Das sind sie also, die Wechseljahre. Eine Phase des schmerzhaften Abschieds. Wie lange wird das jetzt gehen? Werde ich jemals wieder einen Lieblingssender haben?
Oder sind das die Wechseljahre: Dass mich jetzt schon Kleinigkeiten im Radio dazu bringen, umzuschalten?

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