Wichtige Frage eines Synonymliebhabers

Entschuldigen verzeihen sehen Sie es mir nach, dass ich Sie kurz mal eben auf die Schnelle etwas störe unterbreche. Bloß aber jedoch muss ich Sie einfach direktemang glattweg fragen aushorchen: Ist es Ihnen gegebenenfalls vielleicht unter Umständen machbar möglich, Ihren umfangreichen gewichtigen Koffer Transportbehälter von meinem rechten Schuh Latschen Botten zu nehmen? Eventuell jetzt gleich sofort?

In 2017, da rutscht mir die Hand aus

Ich bin militant. Zu allem bereit. Wenn ich nicht so schnell frieren würde, könnte ich glatt eine Untergrundgruppe gründen. Über einen Namen denke ich noch nach, nicht aber über unsere Aufgabe: Mit Stiften oder Farbeimern bewaffnet, würden wir in den Formulierungskampf ziehen.
Das macht Sinn – das zu sagen, ergibt für mich noch immer keinen Sinn, aber langsam finde ich mich damit ab. Etwas anderes hat ja doch keinen Sinn.
Und wer alles heutzutage gut aufgestellt ist: Nicht nur das Billy-Regal in meinem Wohnzimmer, sondern auch die Jugendabteilung des SV Freudenberg und die Realo-Spitze der Grünen. Nicht zu vergessen Brandenburgs Steuerfahndung. Nun gut. Eigentlich gehört es heute zum guten Ton, gut aufgestellt zu sein. Vielleicht bin ich ja auch gut aufgestellt und weiß es nur nicht, weil mein Rücken manchmal schmerzt.
Ich google und doodle nach Herzenslust, kaufe auch im „Sale“ ein, wenn es denn nicht mehr im „Schlussverkauf“ sein darf, und im Fernsehen sollen sie halt „performen“ statt „Gesang und Tanz darbieten“ und den „Buzzer“ drücken statt den Knopf mit Pilzkopfdeckel. In der Kürze liegt die Würze.
Aber mein Gleichmut ist passé, sobald jemand „in 2017“, „in 1979“ oder „in 1899“ sagt. Zuerst macht das Herz einen Aussetzer, dann zuckt mein linkes Auge. Kalter Schweiß bricht mir aus. Kommt mir ein Worddokument mit solch einer Entgleisung auf den Bildschirm, rutscht mir auf der Tastatur sofort die Hand aus, und meine Finger landen auf der Löschtaste.
Die deutsche Sprache ist an dieser Stelle doch so schön schlicht. Schlichter als das Englische, dem sie diese unnötige Entlehnung verdankt. Alle mal lesen und verinnerlichen: Auf Deutsch heißt es: „2017 bekomme ich vier neue graue Haare“. Oder: „1979 erschien der erste Star Trek-Film“. Oder: „Erich Kästner erblickte 1899 das Licht der Welt“. Doch, doch. Das ist korrekt. Völlig korrekt. Das „in“ muss leider draußen bleiben. Warum etwas unnötig aufblähen? Eher macht etwas für mich Sinn als dass ich das Wörtchen „in“ mit einer Jahreszahl kombiniere.
Und jetzt gebe ich es auch zu: die Überschrift dieses Textes war zum Anködern falsch geschrieben. Eigentlich hätte sie so aussehen müssen:
„In“ 2017? Da rutscht mir die Hand aus!

Von Eimern und Menschen

Wenn Eugène Poubelle nicht schon lange tot wäre, könnte man ihn glatt bemitleiden. Schließlich geht auf ihn das französische Wort für Abfalleimer zurück: „poubelle“. So möchte man vielleicht nicht unsterblich werden. Unsere Ohren sind jedoch dankbar dafür, denn „poubelle“ – das klingt wie etwas Zartes und Wohlduftendes…
Zu Besuch in Österreich, holt man uns dann schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. „Mistkübel“ nennt man das Utensil dort nämlich ganz pragmatisch. Das weckt andere, wenngleich ebenfalls duftintensive Assoziationen.
Zaubert einem aber auch ein Lächeln ins Gesicht: Denn wie heißt in Österreich folgerichtig die Abfall-Servicehotline?

Entdeckung im Supermarkt

 

Da kauft man in der Schweiz nichtsahnend eine Orange, traut seinen Augen beim Anblick des Etiketts nicht und muss einfach sofort kreativ werden.
Blondorange, Definitionsmöglichkeiten:
a) Blondine mit Cellulitis
b) Kosename für rundliche Blondine
c) Coloration für Experimentierfreudige