Schislaweng

Im Bayerischen Rundfunk lief gerade die Themenwoche „Bayern lieben Dialekt“. Ich hörte dazu im Radio einen Bericht über die bayerische Version von „My Fair Lady“, die gerade in München gespielt wird. Die deutschsprachige Erstaufführung fand 1961 im Berliner Theater des Westens statt. Darum berlinerte Eliza Doolittle natürlich. Ein paar Ausschnitte aus dieser Version erwärmten mein Herz. Ich habe zwar nie berlinert, aber nach 14 Jahren in Franken verwende ich immer weniger von den Begriffen meiner Kindheit und Jugend. Und wenn der Berliner Dialekt auch oft zum Weglaufen ist, so sind viele seiner Wörter (von denen es einige natürlich auch in anderen Dialekten gibt) einfach knorke!

Hier kommt darum ein kleiner Text mit Begriffen, die ich schon lange nicht mehr gesagt habe:

Gestern Abend war mir danach, noch einmal ums Karree zu gehen. Gleich an der nächsten Straßenecke begegnete mir so’n langa Lulatsch, der aus der lameng mit 5 Bällen jonglierte, während er joggte. Was für’n Mumpitz, fand ich. Will er nun jonglieren oder joggen? Ich ging weiter und überlegte, fürs Happenpappen am nächsten Tag beim Fleischer Gehacktes zu kaufen, um Buletten zu braten. Aber der Fleischer meines Vertrauens ist jottwede im Nachbarort. Also doch lieber das Gemüse aus dem Kühlschrank verarbeiten. So in Gedanken versunken, hatte ich gar nicht die dunklen Regenwolken am Himmel bemerkt, und plötzlich stand ich auch schon in einer Husche vom Feinsten. In nullkommanix war ich klatschnass. Doch nicht genug damit: Als ich gerade die Straße überqueren wollte, kam so ein eitler Fatzke in seiner Anjeberkarre angerast und wäre mir beinahe über die Füße gefahren. So ‘ne Karnalje! „Dir hamse wohl mit de Muffe jebufft!“, rief ich (weil es einfach so ein herrlicher Ausruf ist). Seine Beifahrerin, die mir so richtig etepetete vorkam mit ihrer Turmbau-zu-Babel-Frisur und der dicken Schminke im Gesicht, keifte irgendwas. Aber zum Glück konnte ich ihr Remmidemmi nicht verstehen. War mir sowieso schnuppe – sollte sie doch nölen!

Ich rannte durch den Regen nach Hause und stolperte im Hausflur gleich mal über die Quadratlatschen, die da kreuz und quer herumlagen. „Ach du grüne Neune! Was machst du denn für einen Lärm?“ wurde ich gefragt und antwortete genervt: „Glaubst du, ich stolpere aus Daffke?!“

Ich ging in die Küche, um schnell die Schulstullen für den nächsten Tag zu schmieren. Dann betrachtete ich das dreckige Geschirr in der Spüle, hatte keine Lust zum Abwaschen und biss lieber genüsslich in einen leckeren Pfannkuchen mit Zuckerguss (und da ist immer Erdbeermarmelade drin!). Abwaschen kann ich auch morgen, dachte ich. Heute ist mir alles schislaweng!

P.S.: Und was ich auch noch unbedingt gesagt haben wollte: Knülle! Pillepalle! Splitterbrötchen!

 

Eine Antwort auf „Schislaweng“

  1. Dufte, der Text! Ich komm zwa aussem Pott, abba mit Stulle und Knifte kennen wir uns auch aus. Und wat dem Berliner seine Bulette, is uns der Fricko. Da kuckse oder kiekste, ist doch schislaweng, Hauptsache et tut schmecken!

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