Wechseljahre

Ich bin in den Wechseljahren. Es fing ganz diskret an, kaum fiel es mir auf, und es störte mich nicht. Inzwischen aber beherrscht mich das Thema. Und zwar immer, wenn ich Auto fahre.
Seit geraumer Zeit wechsle ich die Radiosender. Zuerst unbewusst, dann leise seufzend, jetzt genervt schon auf kurzer Strecke.
Nirgendwo bin ich mehr richtig zu Hause. Vorbei sind die Zeiten, wo ich „meinem“ Sender die Treue hielt und den Moment auf der Autobahn herbeisehnte, endlich wieder in seinen Empfangsbereich zu kommen.
Ich bin ein Morgenmuffel und will nicht von irrwitzig gutgelaunten Moderatoren belästigt werden – also schalte ich um. Für die Musikauswahl des nächsten Senders werde ich aber wohl langsam zu alt – also schalte ich um. Die Musikauswahl des dritten Senders finde ich zwar immer angenehmer, dafür aber fühle ich mich für die Wortbeiträge eindeutig zu jung. Also schalte ich wieder um.
Ich schalte von Bayern 2 zu Bayern 3 zu Bayern 1. Von Antenne zu Bayern 5 zu Deutschlandradio. Und wieder zurück und über Kreuz. Eine Orientierungslose in den Ätherwellen. Eine aus der Zielgruppe Gefallene.
Das sind sie also, die Wechseljahre. Eine Phase des schmerzhaften Abschieds. Wie lange wird das jetzt gehen? Werde ich jemals wieder einen Lieblingssender haben?
Oder sind das die Wechseljahre: Dass mich jetzt schon Kleinigkeiten im Radio dazu bringen, umzuschalten?

Fastenzeit im Straßenverkehr

  • Dieses Jahr faste ich mit. Ich bin dabei. Aber völlig. Da ich im Straßenverkehr zu oft hochgehe wie eine Rakete, werde ich ab 1. März für sechs Wochen den anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber nur höfliche Gedanken haben.  Sechs Wochen lang einfach nur gut drauf sein, wenn ich hinterm Steuer oder Fahrradlenker sitze.

    Meine Gedanken werden dann ungefähr so klingen:

    Mich freut zu sehen, dass mein Vordermann es gerade überhaupt nicht eilig hat. Der Gute kann es sich darum leisten, mit 30 statt 50 km/h durch die Stadt zu tuckern.
    Ich leide von Herzen mit jener Dame hier, die augenscheinlich nicht in der Lage ist, ihren SUV zu parken, ohne dabei gleich die ganze Straße zu sperren.
    Und diese Frau vor mir ist eine liebende Mutter, wie es nur wenige gibt. Sie stoppt hier einfach auf der Straße, denkt keine Sekunde daran, dass wir Nachfolgenden so nicht an ihr vorbeikommen. Nein, sie denkt nur an ihre Kinderlein, die – ohne zu hetzen! – einsteigen sollen.
    Danke, Du schnittiger Autofahrer, Du, der Du mir mit meinem Fahrrad gerade die Vorfahrt genommen hast. Jetzt bin ich wieder ganz im Hier und Jetzt und mit meinen Gedanken nicht bei meinem Einkaufszettel. Ich danke Dir!
    Wie verantwortungsvoll, dass der Herr auf der Überholspur der Autobahn wenigstens auf 70 abgebremst hat, um sich auf das Handy an seinem Ohr zu konzentrieren.
    Es erfüllt mich mit Dankbarkeit zu wissen, dass die Autofahrertage des Methusalems vor mir gezählt sind. Ein Glück doch für die Menschheit.
    Na, und ist das nicht toll? Da hat der Mensch vor mir doch glatt die Spendierhosen an: Er wirft seine Zigarette bei voller Fahrt aus dem Autofenster. Sie landet auf meiner Motorhaube. Ich bin entzückt! Und ich verstehe ihn so gut: Autos mit stinkenden Kippen im Aschenbecher kann ich auch nicht ausstehen.
    Zwischenzeitlich war die Ampel zwar grün, aber Du vor mir hast schon recht: Eigentlich ist es hier gerade zu schön, um weiterzufahren.
    Mal sehen, wie lange ich das durchhalte… 6 Wochen sind ganz schön lang…

    Ich glaube, ich fahr mit dem Bus.

Entdeckung im Supermarkt

 

Da kauft man in der Schweiz nichtsahnend eine Orange, traut seinen Augen beim Anblick des Etiketts nicht und muss einfach sofort kreativ werden.
Blondorange, Definitionsmöglichkeiten:
a) Blondine mit Cellulitis
b) Kosename für rundliche Blondine
c) Coloration für Experimentierfreudige

Worauf es ankommt

Hetze Eile schnell schnell schnell
kann ich muss ich soll ich werd ich
denke hier dran denke da dran
und vergiss bloß nicht
seufz ach Stress Hast Stress –
Langsamer
Nur ein wenig langsamer
Muss ich?
Soll ich?
Ich kann
Zeit haben
Für dich, für mich
Für uns