Einkaufen in Corona-Zeiten

Nun geht das alles schon wieder los! Ich hatte gerade zum Normalzustand zurückfinden und im Supermarkt ganz selbstverständlich zur Toilettenpapierpackung greifen können, da kommt die 2. Welle. Und mit ihr der Hamsterkauf. Samstag in der Schlange an der Kasse hatte ein Mann vor mir Toiletten- und Küchenpapier, Nudeln, Mehl etc. eingekauft, als gäb’s kein Morgen.

Das legte bei mir einen Schalter um. Seitdem ist „einfach nur einkaufen“ Vergangenheit, und ich fühle mich ständig beobachtet.

Ich kaufe Hefe. Oh oh, sie hamstert. Hefe war im Frühjahr schließlich lange nicht zu haben.

Ich kaufe Toilettenpapier. Ha, da haben wir sie wieder, die Panikschieber. Das ist so deutsch.

Ich stehe vor dem Nudelregal. Herrje, das ergibt eine verräterische Hamstermischung in meinem Einkaufswagen. Wenn ich jetzt noch haltbare Milch und zwei Pakete Mehl dazulege, bin ich geliefert. Dann folgt an der Kasse das Tribunal, und zwar mit jedem Stück, was da über den Scanner gezogen wird. Die Kassiererin sieht mich an, und ich weiß, was sie denkt. Noch so eine, die die Regale leerräumt, eine Hamsterkäuferin, eine Panikschieberin, eine Egoistin, der die Gesellschaft völlig egal ist.

Zwei Strategien sind mir als Ausweg aus diesem Dilemma eingefallen.

1. Häppcheneinkäufe: Ich verringere meine Stückzahl, kaufe also eine Zwiebel, 4 Kartoffeln, 1 haltbare Milch tarnt sich in der Kombination ganz gut, dann noch 1 Gläschen Kapern (um die Kassiererin zu verwirren), eine kleine Packung Eier (wichtig: keine große), 6 Bohnen, unter Umständen eine Packung Vollkornnudeln – die wollte schließlich im Frühjahr auch niemand haben.
Was spricht dagegen? Mit kleinerer Stückzahl müsste ich meine Einkaufsfrequenz (natürlich dann in verschiedenen Läden) erhöhen. Das kostet Zeit, und wir sollen ja möglichst zu Hause bleiben, sagt die Kanzlerin.

2. Tarneinkäufe: Ich will einen kleinen Mehl-Vorrat anlegen, um für die Weihnachtsbäckerei vorzusorgen. 4 Pakete landen in meinem Einkaufswagen. Um die Hamsterei zu tarnen, muss ich thematisch passend dazu einkaufen. Stellen wir uns also vor, es steht ein Geburtstag vor der Tür. Das Mehl brauche ich zum Backen. Ja, das ist gut. Dann noch Backdeko. Reichlich. Und Eier. Und Blumen. Eine Flasche Sekt. Geschenkpapier. Ein paar Glückwunschkarten. Pralinen. Servietten mit der Aufschrift „Happy birthday“ (ja, das macht es besonders authentisch!).
Was spricht dagegen? Der Kontostand. Und innerhalb von 2 Wochen viel unnützes Zeug im Schrank.

Aber die Lage an der Einkaufsfront ist wirklich ernst, ernster als im Frühjahr, denn zu den Hamsterkäufern der ersten Stunde kommen nun auch die, die damals zuerst entspannt waren und dann vor leeren Regalen standen. Das wollen sie natürlich nicht noch mal erleben. Also kaufen sie ein. Jetzt. Ausgiebig.

Und ich? Lege mir einen Vorrat meiner Lieblingsdominosteine an. Es ist wichtig, Prioritäten zu setzen.

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