Ein Tag am Strand

Die Zikaden sind die ersten am Strand.
Sie zirpen in den Kiefern, während es sich unter ihnen langsam füllt.

Eine Frau hat ihren Kosmetikspiegel mitgebracht. Sie zupft sich ausführlich die Augenbrauen, bevor sie die Schwimmbrille anlegt und die Wellen kraulend durchpflügt.
Ein junger behinderter Mann sitzt mit seinen Eltern an der Wasserkante. Mechanisch greift er nach den glattgeschliffenen Steinen neben sich und wirft sie ohne Pause ins Meer. Plitsch macht das, plitsch und plotsch. Ohne Unterlass. Mal wirft er mit der linken Hand, mal mit der rechten, mal mit beiden Händen. Das ist seine Beschäftigung heute, während die anderen baden, lachen, herumlaufen. Am Strand gehen ihm die Steine nicht aus. Ob er am nächsten Tag Muskelkater haben wird?
Eine Familie mit zwei Kindern, eines davon ein Baby, liegt im Schatten. Irgendwann wird das Kleine müde, die Mutter wiegt es in ihren Armen. Es schreit, doch sie lässt sich nicht beirren, wiegt es weiter und singt leise, bis ihm schließlich die Augen zufallen. Zwei Stunden schläft es dort ganz friedlich im Schatten auf einer Matte, mit dem T-Shirt der Mutter zugedeckt. Als es aufwacht, packen die Eltern ihre Taschen, und die vier brechen auf.
Erst direkt an der Wasserkante hört man das Klackern der Steine, die von den Wellen vor- und zurückgewirbelt werden.
Dann geht es zum Schnorcheln. Das Meer wirkt wie eine ewige Ebene aus Blautönen, doch unter seiner Oberfläche eröffnet sich eine völlig andere Welt. Da fällt der Meeresboden plötzlich ab, tun sich Felsen auf und leuchten dunkle Tiefen. Fischschwärme umkreisen die Schwimmer, Tintenfische verstecken sich in Felsvorsprüngen. Das zu erkunden, braucht Mut, zumindest am Anfang.
Und dann wieder herauskommen, abtrocknen, die Zikaden hören und das Plitsch und Plotsch der ins Wasser geworfenen Steine. Sich hinlegen und das unglaubliche Grün der Kiefern über einem bestaunen.

Irgendwann leert sich der Strand. Auch die Familie mit dem jungen Mann geht. Nun ist gut zu sehen, wo er saß: Rechts und links von seinem Platz fehlen sichtbar Steine.

Die Zikaden lässt das alles ganz unbeeindruckt. Sie zirpen und harren der Strandtage, die noch kommen.

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