Die optimalste Lösung

Ein Süßwarenhersteller wirbt gerade mit einem originellen Slogan. Originell ist er deshalb, weil hier ein Adverb gesteigert wird, das nicht steigerbar ist: Futtert man besagte Praline in Gemeinschaft, kann man alles noch „zusammener“ erleben.
Was hier bewusst als Stilmittel eingesetzt wird, hat mit anderen Beispielen längst Einzug in die Alltagssprache gehalten. Da werden „Absolutadjektive“ fälschlich gesteigert. Ein paar Beispiele:

Die beste Lösung ist immer auch und ausschließlich die optimale Lösung. Wer dann weitersucht nach einer optimaleren oder gar nach der optimalsten Lösung, ist chronisch unzufrieden und weiß nicht, wovon er spricht.
„Ich war die Einzigste auf der Weihnachtsfeier, die nüchtern geblieben ist!“ Aber dort bestimmt nicht die Einzige, die „einzig“ steigert. Leider…
Für eine Fortsetzung des eigenen Lebens ist es ideal, sich extrem langsam rückwärtsgehend von einer Königskobra zu entfernen, wenn man dieser durch einen unglücklichen Zufall über den Weg läuft. Wer der Meinung ist, idealer sei es, sich extremst langsam von besagter Königskobra zu entfernen, der soll mir das mal vormachen! Obwohl… lieber doch nicht.

Superlative sind maximalst beliebt.
Sprach man nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl noch von einem GAU, dem größten anzunehmenden Unfall in einem Atomkraftwerk, so gibt es heute in den Medien nur noch den Super-GAU, als sei der Begriff GAU nicht umfassend genug. Wahrscheinlich wird der Super- bald vom Mega-GAU abgelöst. Den irgendwie zu überleben, wäre wahrscheinlich gar nicht optimalst. Und wer aufgrund eines Mega-GAUs ums Leben kommt, ist dann mit Sicherheit toter als ein Grippeopfer.

Schade finde ich übrigens, dass das Adjektiv „ordentlich“ gesteigert werden darf. So kann ich gerade so stolz darauf gewesen sein, wie gut ich aufgeräumt habe, und kaum betrete ich kurz danach ein anderes Zuhause, ist es dort meist viel ordentlicher, gar nichts steht auf der Küchenarbeitsplatte, und das Wohnzimmer sieht aus wie aus einem Einrichtungskatalog. Mit hängenden Schultern kehre ich dann zurück in mein eigenes, unübersichtlicheres Heim.
Wäre „ordentlich“ nicht steigerbar, so könnte es überall gleich „ordentlich“ sein, und ich wäre ein glücklicher Mensch.
Ich finde das gemeinst.

 

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