Die Logik der Träume

Gestern bin ich in der Onleihe unserer Stadtbibliothek auf der Suche nach Lesestoff über einen Buchtitel gestolpert: Schweizen.

Schweizen? Neugierig geworden, klickte ich mich zu näheren Information und fand heraus, dass hier in 24 unterschiedlichen Textarten das Thema „Zukunft der Schweiz“ aufs Korn genommen werde. Untertitel: „Zukünfte“. 24 unterschiedliche Textarten klingt spannend für mich, also klickte ich auf „Ausleihen“ und las das Vorwort.

Autor Charles Lewinsky beschreibt darin, wie er auf den ungewöhnlichen Titel gekommen ist. Er habe geträumt, wie er ein Buch geschrieben und es dann nach Erscheinen stolz zu seinen Vorgängern ins Regal gestellt habe. Der Titel „Schweizen“, den er auf dem Buchrücken las, sei ihm gar nicht merkwürdig vorgekommen – „wie das in Träumen so ist“. Wieder erwacht, sei die Enttäuschung groß gewesen: das Buch nur Schall und Rauch und das Wort „Schweizen“ gar nicht existent.

Eine faszinierende Seite an Träumen ist doch genau das: die Logik, die sich mit dem Wachwerden als Unlogik entpuppt. Ich weiß gar nicht, ob ich mich im Traum schon mal so richtig gewundert habe. Aber ich weiß genau, dass ich das am Morgen danach getan habe. Oft erzählt man dann am Frühstückstisch lachend, was man für einen „Schwachsinn“ geträumt hat. Den man aber währenddessen als absolut normal empfunden hat. Spannend, nicht? Dass wir im Schlaf ein völlig anderes Logikprogramm fahren können als im Wachzustand. Und auch spannend: Dass wir uns scheinbar im Schlaf auf viel mehr einlassen können. Sind wir nicht toleranter, offener, wenn wir uns nicht wundern, sondern einfach annehmen?

Mir fällt meine damals dreijährige Nichte ein, mit der wir zum von Christo verhüllten Reichstag fuhren. Was hatte ich mir vorher ausgemalt, wie sie erstaunt das silberne Riesenpaket anstarren würde! Und stattdessen wunderte sie sich überhaupt nicht. Aha, ein großer silberner Kasten, der nett schimmert. Gut. In diesem magischen Alter war noch alles möglich. Und mir gefällt die Vorstellung, dass wir im Traum in dieses magische Alter zurückkehren können.

Übrigens hat Charles Lewinsky letztendlich das Pferd von hinten aufgezäumt, sich passend zum geträumten Titel „Schweizen“ (für ihn der Plural von „Schweiz“) einen Inhalt überlegt und das fertige Buch vor ein paar Jahren doch noch zu seinen Vorgängern ins Regal stellen können. Alles ist möglich.

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