Das Vergnügen, in Pfützen zu hüpfen

Den Geruch von Regen auf trockener Erde nennt man Petrichor. Ein Wort, das sich aus den griechischen Wörtern petros für Stein und ichor für die Flüssigkeit in den Adern der griechischen Götter ableitet.
Es ist dieser wunderbare Duft, den man im Sommer voller Genuss ganz tief einatmet, wenn man nach einem Regenschauer vor die Tür tritt. Als ich vor ein paar Jahren dieses Wort zum ersten Mal las, war ich vor allem deswegen erstaunt, weil ich mir bis zu jenem Zeitpunkt gar nicht bewusst gewesen war, dass das ein Phänomen ist, dem man einen Namen geben kann.
Jedenfalls las ich damals, man vermutet, dass wir diesen Geruch deswegen so sehr lieben, weil er bei uns genetisch hinterlegt ist: Die Menschheit hat sich auf die anderen Kontinente von Afrika aus ausgebreitet, wo der Regen nach einer langen Trockenperiode ein Grund zur Freude war, denn er bedeutete Fruchtbarkeit. Und damit Überleben.
Und diese Vorstellung macht das Ganze ja nun so richtig spannend.
Wenn ich heute hinaus in diesen Sommerregen gehe, mit Gummistiefeln und allem, was man so braucht, um den Regen richtig zu genießen, dann schnuppere ich also erfreut Petrichor, weil ich genetisch gar nicht anders kann. Und dann drehe ich mich auf dem Feldweg zunächst verstohlen um, bevor ich voller Vergnügen durch die großen Pfützen hüpfe und es so richtig spritzen lasse. Und zwar auch, weil ich nicht anders kann.
Denn das Kind in mir hat nicht vergessen, wie wunderbar ich schon immer Pfützen fand, wie ich ihre Tiefe ausgelotet habe, Blätterschiffchen in See stechen ließ oder eben einfach begeistert hineingesprungen bin.
Aber vielleicht haben das unsere Urahnen auch schon so gemacht, damals in Afrika, und darum ist meine Pfützenplatscherei auch genetisch bedingt. Und es fehlt nur der Begriff dafür?

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