Belagerungszustand im Blumenbeet

Dieses Frühjahr ist in meinem Garten der Belagerungszustand ausgerufen worden. Quasi über Nacht hatten mehrstielige Pflanzen mit gefiederten Blättern das Regiment im Blumenbeet übernommen. Meine geliebten Duftrosen – eingekesselt! Die Traubenhyazinthen – im Würgegriff! Einige Exemplare des Guerilla-Grüns hatten sich sogar schon in das Basislager des Phlox eingeschlichen und dort für Chaos gesorgt.

Da blieb nur eines: den Spaten zur Hand zu nehmen, um die Eindringlinge zu entfernen. Bei meinen Duftrosen hört der Spaß für mich auf. Leben und leben lassen? Nö, vergiss es! Jede ausgegrabene Pflanze war mir ein Triumph. Mit Genugtuung warf ich sie in den bereitgestellten Eimer.

Alle paar Tage betrachte ich nun das Beet, das wegen meiner Fußabdrücke und der vielen Ausgrabungen aussieht wie ein Schlachtfeld. Das macht mich wütend. Ziemlich wütend. Mit Argusaugen scanne ich jeden Zentimeter. Ab Erdoberfläche teilt sich die Pflanze in mehrere Stiele auf, die sich auf dem Boden entlangkriechend ausbreiten und dann ihre Blätter ausbilden.

Vor kurzem hat die Blühphase eingesetzt. Ha, dumm für euch gelaufen, ihr Fieslinge: Mit Blüten in Knallgelb statt in Tarnfarbe kann man sich nun wirklich nicht verstecken. „Huhu, hier bin ich! Hier musst du mit deinem Spaten hin“, ruft mir das Signalgelb zu.

Mein Gartenbuch hat mir nun auch verraten, mit wem ich es zu tun habe, und zwar mit dem kriechenden Hahnenfuß. Der Name sagt doch schon alles!

Mein Jagdinstinkt ist geweckt. Auf Spaziergängen sehe ich nichts anderes als Hahnenfuß und muss gegen den Impuls ankämpfen, nur noch mit Spaten in der Hand loszuziehen und den Wegesrand umzugraben.

Auch über einen schnuckligen Spaten im Handtaschenformat habe ich schon einmal nachgedacht. Wenn ich ganz woanders bin und in fremden Gärten eine Hahnenfuß-Horde herumlungern sehe, könnte ich doch – Dingdong! – „Guten Tag, dürfte ich mal kurz… Sie haben da Hahnenfuß im Garten… Gleich ist es erledigt!“

Wenn ich nicht aufpasse, werde ich noch zur Suchtberatung müssen. Oder ich ziehe einfach um. Da ist die Auswahl allerdings etwas begrenzt. Der Hahnenfuß kommt auf allen Kontinenten vor – außer in der Antarktis.

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